Frustration ist ein normaler Bestandteil kindlicher Lebenswelten – in Familie, Freizeit, Peergroup, digitalen Räumen und im schulischen Umfeld. Entscheidend ist, ob Kinder in belastenden Momenten Gefühle einordnen, Impulse kontrollieren und handlungsfähig bleiben können. Hinweise auf einen erhöhten Unterstützungsbedarf liefert die COPSY-Studie 2025:
Im Herbst 2025 berichteten 21 % der Kinder und Jugendlichen eine geringe gesundheitsbezogene Lebensqualität, 22 % allgemeine psychische Probleme und 25 % Angstsymptome. Im Herbst 2024 berichten 21 %, dass sie sich manchmal, oft oder immer einsam fühlen.
Gut umgesetzte Programme zur Stärkung sozial-emotionaler Kompetenzen wirken nachweislich positiv – u. a. auf Verhalten und Wohlbefinden (Cipriano et al., 2023, Watson et al., 2026.)
Um Kinder im offenen Ganztag alltagsnah zu stärken, wurde ein Methodenkoffer zum Thema Frustrationstoleranz entwickelt. Ziel ist es, Kinder im Alltag dabei zu unterstützen, Frust zu verstehen und konstruktiv zu bewältigen – statt in Eskalation oder Rückzug zu rutschen.
Um diesem Trend entgegenzuwirken haben wir mit dem OGS-Anbieter VGS Köln e.V. einen Methodenkoffer entwickelt, der von den pädagogischen Fachkräften als niedrigschwelliges Instrument im Ganztags-Alltag eingesetzt werden kann.
Der Methodenkoffer hilft Kindern dabei, Schritt für Schritt:
- Gefühle zu erkennen und zu benennen (Was fühle ich gerade – und woran merke ich das?)
- Selbstvertrauen aufzubauen (Ich kann das lernen – auch wenn es gerade schwer ist.)
- Affekte zu regulieren (Runterkommen, bevor ich handle.)
- Impulse zu kontrollieren (Stopp-Moment zwischen Gefühl und Reaktion.)
- Gezielt Lösungen zu suchen (Was kann ich jetzt tun? Welche Option hilft wirklich?)
Der Koffer umfasst Arbeitsblätter und praxiserprobte Methoden, die sowohl…
präventiv eingesetzt werden können (z. B. als regelmäßige Übungseinheiten, Rituale, Gruppenimpulse), als auch
reaktiv in akuten Situationen (z. B. bei Streit, Frustmomenten, Regelkonflikten, Überforderung).
So entsteht ein Werkzeug, das nicht nur „im Idealfall“ funktioniert, sondern genau dort ansetzt, wo OGS-Alltag passiert: mitten im Tun.
Ein zentraler Baustein des Projekts: Der Methodenkoffer wurde durch uns entwickelt und anschließend wurden die Mitarbeitenden im offenen Ganztag gezielt in den Methoden geschult. Damit ist sichergestellt, dass die Inhalte nicht in der Schublade landen, sondern sicher, einheitlich und kindgerecht angewendet werden können – und Kinder verlässliche Unterstützung bekommen, wenn Frust hochkocht.
Quellen:
Kaman, A., Erhart, M., Devine, J., Napp, A. K., Reiß, F., Behn, S., & Ravens-Sieberer, U. (2025). Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Zeiten globaler Krisen: Ergebnisse der COPSY-Längsschnittstudie von 2020 bis 2024. Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz, 68(6), 670-680.
Watson, K., Taylor, J., & Chubb, C. S. (2025). A Meta-Analysis of School-Based Mental Health Interventions. Educational Research Review, 100761.
Cipriano, C., Strambler, M. J., Naples, L. H., Ha, C., Kirk, M., Wood, M., ... & Durlak, J. (2023). The state of evidence for social and emotional learning: A contemporary meta‐analysis of universal school‐based SEL interventions. Child development, 94(5), 1181-1204.